Mittwoch, 12. Dezember 2012
Home, sweet Home...oder so in der Art
Ich sitze mal wieder in der Bahn und fahre mit einem wehmütigen Gefühl zurück nach Hause.
Diesmal habe ich meinen Onkel und meine Tante besucht. Sie wohnen in einer wunderschönen, großen, komfortablen Wohnung mit Blick auf einen großen Fluss. Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt und ich wurde überaus köstlich bekocht. Sie haben einen niedlichen Hund und ich fühle mich bei ihnen immer sehr wohl.

Eigentlich liebe ich Zugfahren. Ich reserviere mir immer einen Platz am Fenster, kaufe mir entweder vorher oder beim Umsteigen ein Cafe Latte bei Starbucks. Ich sehe zu, wie die Landschaft an mir vorbei fliegt und hänge meinen Träumen und Gedanken nach. Aber Bahnfahren heimwärts macht mich oft auch melancholisch. Ich lasse etwas zurück. Meist Freunde oder Familie. Ich habe eine schöne, besondere Zeit verbracht und kehre nun zurück in den Alltag.

Zuhause wartet Karl auf mich (und mein Entschluss, ihn zu verlassen steht immer noch! Nur ist noch die Frage wann. Feigling!), der mir schon eine sms geschrieben hat, das er vergessen hat Katzenfutter einzukaufen und ob ich nicht am Bahnhof etwas kaufen könne. Wie kann jemand bitteschön vergessen, Futter für sein Tier zu kaufen? Seine Katze ist ein nerviges, ständig quengelndes Biest, aber sie ist wirklich nicht zu beneiden.

Morgen ist ein Arbeitstag, da warten meine bekloppten Kolleginnen auf mich. Wenig Freizeit. Keine lieben Menschen. Keine komfortable Wohnung. Kein ausführliches Frühstück und kein Ausschlafen. Ich will aus dem Zug aussteigen, die Zeit zurückdrehen und wieder weg fahren. Weit, weit weg von meinem Alltag.



Sonntag, 9. Dezember 2012
Herzlich Willkommen in meiner Welt
Meiner Meinung nach sollte Feenstaub (das Zeug, dass du auf etwas pustest und dann siehst, was es wirklich ist) der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Hätte ich vor einem Jahr Feenstaub gehabt, wäre ich niemals bei meiner jetzigen Arbeitsstelle geblieben – einer Kindertagesstätte. Dann wäre ich hingegangen, hätte ein bisschen magischen Glitzer darüber gestäubt und dann gesehen, dass es der totale Saftladen ist. Oder mein jetziger Freund, der ist auch nicht grade der Hauptgewinn. Oder meine Wohnung, ich sage nur Schimmel. Naja – hatte ich damals aber nicht ;-)

Jetzt sitze ich täglich draußen auf dem Spielplatz, umgeben von lärmend spielenden Kindern und Kolleginnen, die nur darauf warten, sich wieder über irgendwen das Maul zerreißen zu können.

Wie bin ich hier nur gelandet? Eigentlich bin ich nicht einmal Erzieherin, sondern Sozialpädagogin
und hatte ursprünglich ganz andere Träume. Wie konnte ich hier landen? Und was wird ab nächsten Sommer? Im nächsten Sommer läuft mein Vertrag aus und ich will etwas anders machen. Aber was, das will mir einfach nicht klar werden. Ich suche nach meiner Bestimmung, aber die hat sich gut versteckt. Ich beneide Menschen, die schon zur Schulzeit wissen, was dass sie beispielsweise Arzt werden wollen, dass dann studieren und später ihren Enkeln erzählen, wie sehr sie ihr Beruf ausgefüllt hat. Mein Opa war so einer.

Fahre dann nach der Arbeit mit der Straßenbahn nach Hause, kaufe schnell ein und falle erschöpft aufs Sofa. Abends kommt mein Freund vorbei und langweilt mich mit seinen sich nie ändernden Problemen. Er versucht immer, ihnen zu entkommen, braucht sie aber wohl doch zu sehr, als dass er sie endgültig loslassen könnte. Und so sitzen wir jeden verdammten Abend da und reden, reden, reden. Dabei fühle ich mich kalt und leer und unendlich müde. Und als er dann nach zwei Stunden wieder zu sich gefahren ist, sitze ich immer noch erschöpft auf dem Sofa, hasse mein Leben und mag nicht mehr. Aber: ich habe beschlossen, mein Leben zu ändern. Habe ich schon oft, aber diesmal wirklich. Deshalb schreibe ich hier :-)

Willkommen in meiner Welt.